Chronik (IV): Akte der Resilienz

Bild: Christian Januth „Le clown tragique“

Täglich berichten uns armutsbetroffene Menschen, wie sie und andere von der Corona-Krise getroffen werden und welche Bewältigungs-Strategien sie entwickeln. Auch engagierte MitbürgerInnen bringen ihre Erfahrungen ein, um jetzt und langfristig Verbesserungen zu bewirken. In dieser Wochenchronik sind Aussagen zu Themen, die sich dabei abzeichnen, zusammengestellt.

Schöpferische Arbeit als Kraftquelle

“Es ist sehr erstaunlich, dass man mit so wenigem, mit einer schönen Serviette, die man per Zufall gefunden hat, eine Karte machen kann. Man kann damit so viele schöne Karten machen. Und hat dann eine so grosse Freude damit. Aber ich denke auch: Das ist so, weil es auch zeigt dass man dann an einen lieben Menschen denkt in dieser Krisenzeit. So etwas macht auch mir grosse Freude in dieser Zeit. Auch wenn man sonst keine hat.”

“Ansonsten zeichnet sie ein wenig und macht Collagen. Für sie ist es eine grosse Erleichterung, dass jetzt erste Lockerungsdaten bekannt sind. Diese schaffen Anhaltspunkte.”

“Ich schreibe. Besonders über Vögel. Seit mehreren Monaten ziehen mich Vögel der ganzen Welt an. Ihre Unterschiede und doch bilden sie eine Einheit.”

Verantwortliche Mitbürger und Mitbürgerinnen

“Ein Freundin von mir im Aostatal bildet Lehrer aus. Sie sagt, sie hätten einen verrückten Job, wenn sie versuchen, die Verbindung zu ihren Schülern online zu halten. Mit ihnen versucht sie, sich Lösungen vorzustellen, damit sie diese Verbindung nicht verlieren, denn nicht alle Kinder sind mit modernen Kommunikationsmitteln ausgerüstet.”

In einer Stadt haben die ehrenamtlichen “Vernetzer” eine wöchentliche Plattform ins Leben gerufen, die die Gemeinde, Caritas, die Solidarität der Kirche, Lions Club und ATD Vierte Welt zusammenbringt. Sie haben als Priorität gewählt, dass sich jeder um seine Nachbarn kümmern soll. Sie überlegen gemeinsam, wie sie die am stärksten isolierten Menschen erreichen können.”

Eine Frau sagt: “Es geht mir nicht gut, ich habe Schwindelanfälle und kann nicht nach draussen gehen und Einkäufe machen. Meinem Partner geht es auch nicht gut. Das ist ganz schrecklich, himmeltraurig. Ich weiss nicht was ich machen soll.” 
Eine Freundin informiert sie, dass junge Leute Einkaufshilfen anbieten. Die Frau sagt: “Ich kann keine Fremde in meine Wohnung lassen.” 
Die Freundin erklärt ihr gut, wie der ganze Ablauf des Einkaufs vor sich geht. Die Frau willigt ein. Zwei Tage später fragt sie nochmals um Hilfe, um Medikamente in der Apotheke abzuholen.

Was trotz dieser Pandemie schön ist, das ist die Mobilisierung der Bürger auf allen Ebenen, wie z.B. Jugendorganisationen, die Einkaufsdienste für gefährdete Menschen anbieten. Für mich sind dies ATD-Vierte-Welt-Werte, die das kollektive Gewissen der Gesellschaft ansprechen und wecken können.”

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