Chronik (V): Langandauernde Distanz zwischen Kindern und Eltern

Bild: Christian Januth – « Clown »

Täglich berichten uns armutsbetroffene Menschen, wie sie und andere von der Corona-Krise getroffen werden und welche Bewältigungs-Strategien sie entwickeln. Auch engagierte MitbürgerInnen bringen ihre Erfahrungen ein, um jetzt und langfristig Verbesserungen zu bewirken. In dieser Wochenchronik sind Aussagen zu Themen, die sich dabei abzeichnen, zusammengestellt.

Erfahrungen von Müttern aus dem Kanton Freiburg

“Seit dem 16. März durfte ich meine Kinder nicht mehr sehen. Es ist schrecklich zu sagen, aber ich habe das Gefühl sie im Stich zu lassen. Auch wenn die Quarantäne berechtigt ist, hart ist es trotzdem. Ich nehme auch sehr schnell ab. Meine Kinder fehlen mir, und ich verliere allmählich den Appetit. Ich gehe spazieren und mache Sport, um die Kontrolle über die Situation nicht zu verlieren und um mich abzulenken. Wenn ich das nicht täte, könnte ich in eine Depression fallen wie vor einigen Jahren. Ich weiss wie schwierig es ist sich in einer solchen Lage aufzuraffen.”

“Ich habe Angst, dass mein Kind mich vergisst. Ich leide daran und fühle mich unverstanden. Ich muss dem Heim zeigen, dass es mir gut geht, doch es kann mir in dieser Lage nicht gut gehen. Ich war nicht da, als mein Sohn krank war. Ich war nicht da, weil ich ihn nicht besuchen konnte.”

“Normalerweise habe ich meine Kinder Mittwochs und Donnerstags, an Wochenenden und über die Ferien bei mir. Man hat mir versprochen, dass sie wieder nach Hause kommen können, doch es wird immer wieder verschoben.”

“Ich habe alles getan damit ich sie per Videoanruf sehen kann. Auf meinem alten Computer hatte ich kein Skype. Man hat mir deshalb einen ausgeliehen, auf dem Skype installiert ist. Die Verantwortlichen des Heims haben mir darauf gesagt, dass sie Skype nicht installieren können.”

“Unsere Kinder sprechen per Videoanruf mit ihrem Lehrer oder Arzt. Wieso nicht auch mit ihren Eltern?

Auszüge aus einem Artikel in “Le Courrier de Genève”

“Mit dem Beginn der Lockerungsmassnahmen, hat das Kindes- und Erwachsenenschutzgericht Genf die Heime und Pflegefamilien aufgerufen die Wiederaufnahme der physischen Kontakte unter den Sicherheitsbedingungen zu ermöglichen. Die individuellen Situationen und die Kapazitäten der Heime werden sorgfältig geprüft, damit die Besuchsrechte umgesetzt werden können. Der Grund für dieses Umdenken ist die Tatsache, dass ein Besuchsverbot nur über eine kurze Zeit hinweg menschlich akzeptabel ist, doch langfristig sehr hart vor allem für jüngere Kinder.”
(Carlos Sequeira, Leiter des Kinder- und Jugendschutzdienstes SPMI Genf)

“Das Kindes- und Erwachsenenschutzgericht legt fest, dass es die Fähigkeit von Familienmitgliedern zur Einhaltung der Gesundheitsmassnahmen und die Konfiguration der Räumlichkeiten berücksichtigen wird. Die Kinder im Alter von 0-12 Jahren werden Vorrang haben, da sie den alleinigen Telefon- oder Videokontakt wahrscheinlich weniger gut verkraften.”

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