Der nächste Schritt im Projekt „Armut – Identität – Gesellschaft“: Das gemeinsame Schreiben des Herzstücks

Der nächste Schritt im Projekt „Armut – Identität – Gesellschaft“: Das gemeinsame Schreiben des Herzstücks

Mehr als 40 Menschen haben drei Jahre lang im Rahmen des Projekts „Armut – Identität – Gesellschaft“ gemeinsam geforscht. 15 unter ihnen – Menschen mit Armutserfahrung, Berufsleute, WissenschafterInnen und Unterstützungspersonen – haben als Begleitgruppe noch intensiver zusammengearbeitet und bereiten nun auch den Prozess des „Co-Schreibens“ vor: Es soll ein Kerndokument von ca. 15 – 20 Seiten entstehen, ein sogenanntes „Herzstück“, in dem die wichtigsten Erkenntnisse der Forschungsarbeit enthalten sind.

Resultate

Wie können die Resultate dieses „Wissen-Kreuzens“ einer ganzen Nation näher gebracht werden, damit sich fundamental etwas ändert und das Fortbestehen der Armut von Generation zu Generation aufhört? So haben es ATD Vierte Welt AktivistInnen, die am Projekt teilnehmen, ausgedrückt. Aber was ist mit „Resultaten“ gemeint? Und wie möchten wir sie präsentieren? In Form eines Forschungsberichts, der sie neutral wiedergibt? In Form eines Manifests, das anklagt und lauthals Forderungen stellt?

„Resultate“, das sind natürlich die gemeinsam gewonnenen Erkenntnisse, aber es sind auch die Auswirkungen, die dieser Prozess auf jede einzelne Person gehabt hat. Alle Beteiligten berichten von Momenten, die sie besonders geprägt haben, die ihre Art zu denken und zu handeln verändert haben. Wie können nun solche Momente, in denen es „Klick“ macht, auch bei den AdressatInnen des Herzstücks ausgelöst werden, damit auch sie sich für dieses Neue öffnen?

Das Co-Schreiben

Mit solchen Fragen hat sich die Begleitgruppe am 28. Januar 2022 auseinandergesetzt und dabei sowohl einen Leitfaden für das Co-Schreiben als auch einen Plan für das Herzstück skizziert. Weil der Prozess des „Wissen-Kreuzens“ nur dann abgeschlossen werden kann, wenn die wesentlichen Erkenntnisse von allen TeilnehmerInnen formuliert werden. Weil sich beim gemeinsamen Schreiben Übereinstimmungen und strittige Punkte herauskristallisieren. Und weil Elemente, von denen wir denken, dass sie neu und ausschlaggebend sind für einen Fachbereich, für gewisse Institutionen, für die Politik des ganzen Landes dann klar hervortreten. So hat zum Beispiel der Begriff „Kampf“ zu aufschlussreichen Auseinandersetzungen geführt. Die von Armut betroffenen TeilnehmerInnen haben sehr überzeugend dargelegt, dass das Überleben in Armut ein täglicher Kampf ist. Jene, die diesen Ausdruck zuerst nicht mochten, erkannten ihn nachher als zutreffend. Es wurden sich auch alle einig, dass die Politik ihrerseits die Armut nicht zu „bekämpfen“, sondern zuerst einmal „umfassend anzuerkennen“ hat.

Das Co-Schreiben geschieht in Gruppen von fünf bis acht Personen, in denen alle drei Wissensbereiche vertreten sind. Jede Gruppe übernimmt ein ausgewähltes Thema. Auf der Basis der Niederschriften beginnt die gemeinsame Schreibarbeit, das Ringen um Formulierungen, denen möglichst alle zustimmen oder die mindestens niemand vollständig ablehnt. Die von einer Redaktionsgruppe zusammengefügten Texte werden von der Begleitgruppe nochmals überarbeitet und dann allen TeilnehmerInnen des Projekts unterbreitet.

Annelise Oeschger, Mitglied der Steuergruppe des AIG Forschungsprojekts