Ein Sommer in Treyvaux

Vom 12. bis 20. Juli fand in und um das Haus in Treyvaux eine Zeit kreativen Schaffens statt. 

Es beteiligten sich 35 Frauen und Männer aus verschiedenen Orten der Schweiz sowie einige aus Haïti (in Frankreich lebend) und aus Burkina Faso, armutserfahrene und andere, die mit ihnen unterwegs sind. Miteinander liessen sie das Haus neu aufblühen.

Schmetterlinge … Farben … Blumen …  

Bilder und Skulpturen voller Farben schmückten bald den Garten und betrachteten  uns von der Hauswand her.

Kreative Hände.

Eine Hand von Alain war bei einem schrecklichen Unfall fast zerstört worden. Seine Ergotherapeutin hatte ihn später zum Malen angeregt. „Ich spürte plötzlich, wie es Spass macht. Ich fühlte: Du bist ja gar keine Null!“  Und heute geht  Alain auch zu Jugendlichen in benachteiligten Quartieren, um ihnen Mut zu machen.

Chinesische Schriftzeichen

von Alexander, der früher wunderbar malte. Aber sein Leben hat ihm später das Malen verunmöglicht. Doch jetzt, nach fünfzehn langen Jahren der Stille, kommt es wieder zum Vorschein: Geheimnisvolle Schriftzeichen lässt er von Zauber und Sternenflug sprechen und im Raum, wo sie nun hängen, eine grosse Ruhe ausstrahlen.              

Ein Arm versinkt im Meer.

In schwarzen, wilden Wellen. Dunkel. Bei diesem Bild von Shaun erschrickt man. Sein Traum von der Berufslehre als Tischler ist vor kurzem zerbrochen. Doch nun beginnt er an einer Holzskulptur für seine Mutter zu arbeiten. Mit bunten, glänzenden Perlen.

Besuch bei Hirschhorn.

Auf seinem Kunstprojekt auf dem Bahnhofplatz in Biel sind wir herumgeklettert! Ja, wir haben uns herausfordern und überraschen lassen. Wir fragten uns, welche Verbindung zwischen zwei kreativen Polen entstehen kann. Die Armut und die Zwangsversorgung von Robert Walser und die Arbeit von Gabriela Pereira, einem ehemaligen Verdingkind, gaben Anhaltspunkte.  

Nasen! Nasen! 

Plötzlich stand Ursula überrascht vor den grossen Porträts aus aller Welt. Und lange betrachtete sie deren Zentrum – die Nasen! Was für kleine,  faszinierende Skulpturen! Nachher wollte sie unbedingt eine Nase modellieren. Und später guckte uns im Freiburger Kunstmuseum eine ganz ähnlich modellierte, schneeweisse Nase an. Aufgepfropft auf einem grossen modernen Bild vom weiten Weltall. Inmitten der Sterne!

Flügel des Papageis

und des Schmetterlings im Glasscheibenatelier. Christine lernte diese Technik in einem Kurs für Arbeitslose kennen. Sie begeisterte sich dafür und seither hat sie in ihrer alten Wohnung schon mehrere Glasmalereien geschaffen. Nun arbeitet sie jeden Tag an ihrem Papagei mit weit ausgebreiteten Flügeln. Und gibt ihr Wissen auch an andere weiter. Neben ihr arbeitet Elisabeth an einem kleinen Schmetterling. 

Augen, Mund und hohe Stirn,

aber zugeschraubt. Immer mit vier Schrauben, die sich tief ins Gesicht dieser Skulptur hineinbohren. Was wollen sie uns sagen? Florent schnitzt auch in Burkina Faso mit sehr armen Kindern. Er fragt: „Haben sie kein Recht auf gute Sicht? Auf das Mitreden und Mitdenken in dieser Welt?“ 

„ Schaut, der Milan! 

Wie der jetzt wieder über dem Haus kreist!“  ruft Katharina plötzlich. Serge spielt gerade draussen auf seinem Synthesizer und kommt so richtig in Schwung. Und trägt uns alle mit. „Schaut, der Milan – der kreist ja wirklich zur Musik!!“ 

Noldi Christen