Erholsamer Aufenthalt im Begegnungshaus in Treyvaux

Rund 25 Personen nahmen vom 28. Juni bis zum 3. Juli 2020 im Haus der Bewegung ATD Vierte Welt in Treyvaux an der ersten Ferienwoche dieses Sommers teil, um nach der bedrückenden Coronazeit neue Kraft zu schöpfen. Weitere armutsbetroffene Personen und Familien werden in diesen Sommerwochen hier ein paar erholungsreiche, kreative Tage verbringen können. 

Gleich am ersten Tag brachte Alain zwei Bilder mit, die er im Frühling von diesem Ort gemalt hatte. Im dazugehörigen Text erzählt er, wie er als Verdingkind in Bauernhäusern allzu Schweres erlebt hat. Mit dem Titel: «De ma maison de l’horreur vers la maison du bonheur… » – Vom Haus des Schreckens zum Haus des Friedens – sagt er, dass es auch anders sein kann.
Alle finden am ersten Tag selber einen Platz, an dem sie sich wohlfühlen, um etwas zu gestalten, zu malen, zu töpfern … Wetterbedingt müssen wir leider fast die ganze Zeit über drinnen arbeiten. 
Im Parterre entsteht spontan ein Ort zum Seidenmalen und Töpfern unter der Anleitung von Nicole und Chantal. Nicole hat als Kind, vor über 50 Jahren, das «Atelier für schöpferisches Lernen und Gestalten» von ATD Vierte Welt in der Freiburger Altstadt besucht. 
Gleich daneben arbeitet Christine an einem grossen Glasfenster und weiht auch andere in diese Kunst ein, die viel Ausdauer erfordert. Und beim Eingang lädt Katharina ins Arno Stern-Atelier ein.>
Zwei Maler und ein Musiker ziehen sich in den grossen Saal im Dachstock zurück. Schnell entstehen auch dort Werke mit Ausstrahlung.

Am Dienstagabend erleben wir einen besonderen Moment. Simone Hohmann hat den Dokumentarfilm von Daniela Wildi „J’étais un enfant qu’on ne voyait pas“ – Ich war ein Kind, das man übersah – mitgebracht, in dem sie selber mitwirkt. Sie erzählt darin von ihrer Kindheit. Danach entsteht ein tiefgehender Austausch. 

Am Mittwochnachmittag nehmen die meisten an einem Ausflug ins Greyerzer Museum von Bulle teil, wo sie die phantasiereichen Malereien von Antonio Bruni entdecken: Bilder aus dem Greyerzerland und von ihn prägenden Reisen nach Griechenland und Indien. Das gibt neue Anregungen.

Am Donnerstag gibt es einen Konzertabend mit Clément Vielly aus Freiburg. Er stellt uns die 10 Lieder seiner CD « Le petit Clément » vor, mit viel Energie und getragen von seinen Erfahrungen als fremdplatziertes Kind. Der Funke springt schnell herüber, alle wissen nur zu gut, wovon er singt!

Zum Abschluss der Woche laden wir Freunde aus der Umgebung ein, um ihnen die zahlreichen neu entstandenen Werke zu zeigen. Ein sehr schöner Moment!
Der Abschied am Freitagnachmittag bewegt alle. Serge, der trotz seiner 80 Jahre jung geblieben ist, kehrt mit neuer Kraft zu seiner mutigen, kranken Frau zurück. Die 29-jährige Laetitia will finden, wie sie nun zuhause ihre Freude an Musik und Seidenmalerei mit andern teilen kann. Die Menschen haben in diesen Tagen neue Energie getankt, um ihren Weg weiter und vorwärts zu gehen.

Weitere Aufenthalte folgen diesem. Das Haus wird nun gründlich geputzt und desinfiziert. Denn schon am Sonntagabend werden neue Familien aus dem Freiburgerland und aus Genf für die zweite „Aufschnauf-Woche“ ankommen! Manche hatten ihre Kinder während der Coronakrise nicht sehen können. Und in der Woche danach werden junge Menschen in einer Jugendwerkstatt das Haus und die Einsatzmöglichkeiten von ATD Vierte Welt entdecken. (Die nächste Bauzeit findet vom 16. bis 22. August statt. Es gibt noch freie Plätze!) Im Haus in Treyvaux werden bis Mitte September Zeiten der Begegnung und des Auftankens stattfinden. 

Noldi Christen