Für die Geschichte malen

Bild: Eine mobile Ausstellungswand vor dem Lokal in Rorschach

Den Menschen ihre Geschichte von unten beleuchtet zurückgeben. Sichtbar machen, wie Menschen unter nie gewürdigten Bedingungen unter uns lebten und leben.

Bei der Agenda 2030* für nachhaltige Entwicklung hat die Armutsbekämpfung und der Wille niemanden zurückzulassen eine grosse Bedeutung.
Die Erfahrungen und Ideen der Armen einzubeziehen ist unentbehrlich. Die sozialen und kulturellen Unterschiede zwischen in Armut lebenden und anderen Menschen sind aber so gross, dass diese Zusammenarbeit nicht ohne weiteres realisierbar ist. Das Ziel unseres Projektes ist es, Unerkanntes sichtbar zu machen und den betroffenen Menschen das Bewusstsein zu geben, dass ihr Beitrag benötigt wird.

Urs Kehl ist in Rorschach aufgewachsen. Für ATD Vierte Welt war er auch in Kanada tätig und hat dort von Kulturtätigen erfahren, dass seine Aktivität «journalistisches Malen in Strassen und Quartieren» genannt werden kann.
Mit diesem neuen Projekt möchte er auch in der Ostschweiz auf ähnliche Art künstlerisch tätig sein.

Andere Personen werden eingeladen bei dieser kreativen Erforschung von gestern und heute mitzuarbeiten. Alles wird einer wachsenden Installation zugefügt. So soll auch ein Dialog ermöglicht werden mit Bevölkerung, Institutionen und Behörden.

Link zur Projektbeschreibung

Als ich das erste mal wagte vor ein Haus zu stehen und es zu malen, zog mich dieses Haus stark an, dort Zeit zu verbringen. Durch Malen wollte ich auf diese Art das Leben festhalten mit allen äusserlichen Einflüssen (Lärm, Stimmen, Hitze, Wind, Kälte, Geruch, Licht, Schatten usw.). Eine Quartierarbeiterin in Kanada ermutigte mich: «Du malst für unsere Geschichte.»

Wegen dem Malen für die Geschichte überraschte mich dieser Ausdruck der Quartierarbeiterin aufs Neue als ich später feststellen musste, dass ein Drittel der von mir gemalten Bauten abgebrochen waren oder in der nahen Zukunft abgerissen werden.
Und eine Holzhütte in einem „Wäldli“ in der Stadt fand ich ein Jahr später abgebrannt, als ich nochmals nach Kanada ging und deren Bewohner suchte.

Urs Kehl

*Absatz 4 dieser UNO Resolution «Transformation unserer Welt: die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung» :
Wir verpflichten uns, auf dieser grossen gemeinsamen Reise, die wir heute antreten, niemanden zurückzulassen. Im Bewusstsein der grundlegenden Bedeutung der Würde des Menschen ist es unser Wunsch, dass alle Ziele und Zielvorgaben für alle Nationen und Völker und für alle Teile der Gesellschaft erfüllt werden, und wir werden uns bemühen, diejenigen zuerst zu erreichen, die am weitesten zurückliegen.

Quelle