Iris Amaldi an der Seite der Kinder

Seit 2007 arbeitet Iris Amaldi regelmässig im Joseph-Wresinski-Haus in Genf. Sie hat eine wissenschaftliche Ausbildung. Hier berichtet sie uns von ihrer Verbindung zur Freundschaftsbewegung Tapori*, dem Kinderzweig von ATD Vierte Welt. 

Seit 2012 arbeitest du halbzeitlich im Tapori-Team. Was war die grösste Herausforderung für dich? 

Als im Raum Genf wohnhafte Verbündete konnte ich dem Volontariatsteam des internationalen Sekretariats von Tapori seit 2007 eine kontinuierliche Präsenz anbieten. Ich wollte mit jedem neuen Team  den Frieden und die Freundschaft, die ich im Briefwechsel mit den Taporikindern so stark erlebte, weiterfliessen lassen. Jede monatliche, später vierteljährliche Herausgabe des Taporibriefs* verlangte vom Team eine grosse Aufmerksamkeit, um niemanden zu übergehen, weder untereinander noch im Inhalt des Briefes, der sich an alle Kinder richtet, ob sie in Armut leben oder nicht, ob sie aus einem sogenannt reichen Land kommen oder nicht.  

Was haben dich die Taporikinder gelehrt?

Zuerst sich an den Platz des Kindes zu stellen und zu versuchen, es zu verstehen! Diese Kinder haben mich auch Mut gelehrt: den Mut, mit dem sie gegen das Elend kämpfen, aus welchem Land sie auch kommen. (Ich führte vor allem Korrespondenz auf  Französisch mit Kindern aus Frankreich oder Ländern Afrikas wie der Demokratischen Republik Kongo.) Und ihre Würde: Sie helfen ihren Eltern und Grosseltern ganz konkret. (Die kleinen Tapori-Geschichten berichten davon.*).

Ich staune immer wieder, wie sehr es die Kinder sind, die zum Frieden beitragen und dazu ermutigen. Sie haben eine unglaubliche Fähigkeit, sich immer wieder aufzurichten.  

Du hast mir gesagt: “Wer sehr wenig hat, teilt es mit jenen in noch grösserer Not.”
 

Ja, die Naturkatastrophe in Madagaskar hat mir die Solidarität der Taporikinder aus aller Welt gezeigt. Zur Unterstützung schrieben sie den Kindern in Madagaskar. Das Kind hat diesen natürlichen Elan hin zum andern, aber die Erwachsenen tragen die Verantwortung und müssen mit gutem Beispiel vorangehen.  

Was ist dir auch noch wichtig?

– Die Kinder in der Schweiz: Eines von sechs Kindern lebt unterhalb der Armutsgrenze, das sind etwa 250 000. Ein Skandal! Es ist dringend notwendig, die Armut auch in unserem Land zu bekämpfen und die Fremdplatzierungen von Kindern möglichst zu verhindern, wenn man weiss, wie sehr ein Kind, um aufrecht durchs Leben zu gehen, auf seine Familie angewiesen ist und umgekehrt.

– Es war mir immer ein Anliegen, die Stimme der Kinder in den grossen Instanzen hören zu lassen, damit ihre Rechte geachtet werden. In der Bekämpfung der Armut ist es entscheidend, dass ihre Stimme, ihre Träume und ihre Bedürfnisse gehört werden. 

Elend ist Gewalt, das Schweigen zu brechen und die Stimme der betroffenen Kinder hören zu lassen ist unerlässlich, um das Bewusstsein der Erwachsenen zu wecken! 

Das internationale Tapori-Sekretariat ist im Jahr 2018 nach Frankreich umgezogen. Wie führst du nun deinen Einsatz weiter?


Ich folge dem Kinderrechtskomitee, das am 20.November dieses Jahres an der UNO in Genf das 30-jährige Bestehen der Kinderrechtskonvention feiert. Diese Konvention anerkennt das Kind als vollwertigen Menschen. Aus juristischer Sicht gebührt ihm von daher ein vollwertiger Platz, der durch die Gesetzgebung bezüglich Umsetzung und Auswertung gesichert werden muss. Menschliche und finanzielle Mittel müssen eingesetzt werden, und dies erfordert den politischen Willen der Regierungen.  

Mit Iris Amaldi hat Natacha Rostetsky gesprochen.

*www.tapori.org