Selbstbesinnung, Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis in Treyvaux

Als junge zukünftige ständige Volontärin der ATD-Bewegung Vierte Welt in der Schweiz war ich sehr daran interessiert, das nationale Zentrum von Treyvaux in Gegenwart von Familien zu entdecken, die mit extremer Armut konfrontiert sind und sich dort erholen. Im Juli 2021 hatte ich eine Woche lang die Gelegenheit, diesen Ort mit Eltern und Kindern zu erleben, was dazu beitrug, meinem Engagement Substanz zu verleihen.

Eine Zeit der Selbstbesinnung

Schon bei meiner Ankunft im nationalen Zentrum hatte ich das Gefühl, dass die drei Familien, die dort aufgenommen wurden, sowie die Menschen, die dort arbeiten – Aktivistinnen, Verbündete und ständige Volontäre und Volontärinnen – in Wirklichkeit eine grosse Familie sind. Jede und jeder schien auf natürliche Weise den Platz gefunden zu haben, der zu ihr und ihm passte. Die Kinder haben sich sehr schnell zusammengefunden, vor allem auf der Schaukel, wo oft neue Armpaare gebraucht wurden, um sie «Höher, höher!!!», immer höher zu bringen. Während der gesamten Woche wurden kreative Workshops für Jung und Alt sowie Ausflüge und Besichtigungen in der Umgebung angeboten. Die Väter waren so leidenschaftlich bei der Herstellung eines kleinen Holzkochers, dass es oft schwierig war, sie aus der Werkstatt zu bekommen. Und die Mütter fanden Zeit für sich selbst mit Aktivitäten wie Malen und Holzarbeiten. Eine Jugendliche zeigte uns ihr Talent zum Backen – sehr zu unserer Freude!

Jede und jeder schien auf natürliche Weise den Platz gefunden zu haben, der zu ihr ihm passte.

Zusammenhalt und gegenseitiges Verständnis

In dieser Woche hatte ich die Gelegenheit, mit diesen Familien eine besondere Zeit zu verbringen. Da ich selbst keine Kinder habe, wurde mir bewusst, wie viel Energie Eltern für ihre Kinder aufwenden, insbesondere für die ganz Kleinen. Deshalb ist es so wichtig, den Mut dieser Eltern anzuerkennen, die manchmal alleinstehend sind und dazu noch gegen die extreme Armut kämpfen. Ich konnte die hohen Ansprüche sehen, die diese Eltern an sich selbst und an ihre Kinder stellen. Und wie die Eltern auf ihre eigene Art und Weise, die sich von der der anderen unterscheidet, versucht, das Beste für die eigenen Kinder zu erreichen. Trotz der sehr unterschiedlichen familiären und kulturellen Gegebenheiten herrschte in der Gruppe ein großer Zusammenhalt. Das gegenseitige Verständnis war echt, auch wenn es nicht immer in Worte gefasst wurde. Dieser Zusammenhalt und dieses Verständnis haben mich sehr berührt. Ich werde mich auch an die Intelligenz und den Enthusiasmus dieser Kinder erinnern, sowie an das Selbstvertrauen, das sie entwickeln.

Deshalb ist es so wichtig, den Mut dieser Eltern anzuerkennen, die manchmal alleinstehend sind und dazu noch gegen die extreme Armut kämpfen.

Zu kurz!

Nach einer Woche, in der wir uns langsam kennen lernten, war es Zeit, sich zu verabschieden. Die Kinder und die Älteren mussten dieses schöne Haus in Treyvaux mit Bedauern verlassen – wie dieser Vater, der bei der Abreise lachend zu uns sagte: «Ist es wirklich nicht möglich, mehrere Monate hier zu bleiben? Ich werde mich also in der Werkstatt verstecken. Ihr werdet mich nicht finden!»

Audrey P., junge zukünftige ständige Volontärin