Wissenswerkstatt

Die „Werkstatt zur Verbindung von Wissen und Praktiken“, kurz „Wissenswerkstatt“, ist eine Dynamik, die es ermöglicht, das Wissen aus der Lebenserfahrung von Menschen in Armut mit wissenschaftlichem und beruflichem Wissen zu verbinden. Zusammen ergeben diese verschiedenen Arten von Wissen ein umfassenderes Verständnis der Realitäten und für mögliche Handlungen.

Der Ansatz der Wissenswerkstatt lässt sich nicht auf eine Methode oder die schlichte Umsetzung einer Technik reduzieren. Er stellt vielmehr eine spezielle Herangehensweise der Zusammenarbeit dar. Denn, ausgehend vom Kontext, wird stets nach Wegen gesucht, wie sich sehr unterschiedliche Arten von Wissen (die sich teilweise gegenseitig ignorieren oder ablehnen) treffen und hinterfragen können. Die Wissenswerkstatt macht es möglich, dass jeder seine Gedanken auszudrücken kann und auch Menschen in grossen Schwierigkeiten wirklich gehört und ihre Gedanken berücksichtigt werden.

Das Engagement gegen umfassende Armut und Ausgrenzung kann nur dann wirksam und nachhaltig sein, wenn es unter ständiger Beteiligung von Menschen in Armutssituationen geschieht. Die Partnerschaft mit den Menschen, die am meisten unter der Armut leiden ist daher unerlässlich, weil sie einerseits ein Erfahrungswissen über sich selbst und ihre Situation haben, andereseits aber auch über die Umwelt, die sie diese Situationen der Armut erleben lässt, darüber, was die Gesellschaft funktioniert und wie sie eigentlich funktionieren sollte, damit sie die Schwächsten nicht ausschliesst. Ihre Überlegungen und Analysen sind unerlässlich, um zu verstehen, wie wir unsere Gesellschaften humaner, gerechter und menschenwürdiger gestalten können.

Die Wissenswerkstatt versucht einen Beitrag zu leisten zu einer Entwicklung und Veränderung der Gesellschaft, um sie gerechter, demokratischer, solider und unter Achtung der Menschenrechte zu gestalten. Es ist ein demokratischer Prozess, dessen Ziel es ist, ein soziales Projekt zu entwerfen und umzusetzen, in dem jeder seinen Platz und einen Beitrag hat. Es geht also nicht nur um eine Kreuzung von Wissen und Praktiken, sondern auch um eine Kreuzung von Handlungs- und Entscheidungsmacht.

Die Wissenswerkstatt, welche in vielen Ländern praktiziert wird, kann zu einem breiten Spektrum an Themen durchgeführt werden: Gesundheit, Sozialarbeit, Bildung, Human- und Sozialwissenschaften usw.