Weihnachten 2020

Bald ist Weihnachten. Es ist höchste Zeit, dass wir verstehen und mithelfen, den Garten zu pflegen, den jede Familie für ihre Kinder zum Blühen bringen möchte.

Ob hier bei uns, in Gallup oder sonstwo auf der Welt, es sind Millionen von Kindern und Jugendlichen, die Gefahr laufen, von den Orten und Möglichkeiten, die ihnen eine echte Zukunft eröffnen könnten, weggeschoben zu werden.

Mehr denn je müssen sich unsere Teams neuen Herausforderungen stellen, sich anpassen und erfinderisch sein, um den Hoffnungen der ärmsten Familien nahe zu sein.

Mit Ihrer Unterstützung sind wir entschlossen, diesen Weg auch heute weiterzugehen!

Anne-Claire Brand, Schweizerische Koordination

Wir haben keine andere Wahl: Entweder gehen wir die Ärmsten suchen oder die Welt versagt. Denn ohne die Mittellosen ist die Welt stumm.

Joseph Wresinski

Eine blühende Zukunft für alle Kinder 

Zu sehen, wie sich Kinder im vergangenen Sommer wieder an verschiedenen Orten der Schweiz unter einem Baum, auf einer Bank oder einer bunten Decke zusammengefunden haben, um Bücher und Geschichten zu entdecken, das gibt Zuversicht!
Was für eine Verantwortung, ihre Sorge in dieser Coronazeit mitzutragen, nämlich niemanden zu übergehen und allein zu lassen !
Und was für eine Freude zu sehen, wieviel geniale Ideen und kindliche Gesten sie dazu entwickeln!

In zahlreichen Ländern leiten die Teams von ATD Vierte Welt solche Strassenbiblioheken für Kinder, so auch den „Geschichtengarten“ in Nordamerika. 

In Gallup in New Mexico
ist jeden Samstag Markt.
Familien kommen von weit her.

Die Kinder begleiten ihre Eltern
oder Grosseltern.
Sie sind früh aufgestanden,
um den langen Weg

von ihren Weilern 
an den Hängen der heiligen Berge
des Volkes der Navajo
bis zur Stadt zurückzulegen. 

Erick ist einer der ihren.
Im Zentrum des Marktes
leitet er den „Geschichtengarten“,
einen bunt bemalten Wohnwagen
mit grossem Vordach,
wo sich jede Woche Kinder
aller Altersstufen einfinden. 

Kaum angekommen,
erhascht Lisa ihr Lieblingsbuch
und beginnt zu lesen.
Ihre Grossmutter staunt.
Und so auch die Lehrerin:
Kaum zu glauben,
was für Fortschritte Lisa gemacht hat.
Sie getraut sich jetzt,
aufzustrecken und eine Frage zu stellen,
sie, die bis vor kurzem
nie etwas gesagt hat.“ 

Die Grossmutter ergänzt:
„Lisa sagt immer,
sie denke schneller
als ihre Lippen sich bewegen.
Lesen, das beruhigt sie.“

Der Geschichtengarten zeigt mir, dass meine Familie auch ein Garten ist. Ihn zu pflegen ist eine grosse Verantwortung.“

Ein Vater

Kühne Träume haben für alle Kinder! 

An diese Verantwortung erinnern uns die Eltern in dieser Krisenzeit, die armutsbetroffenen Familien besonders zusetzt.

Zahlreiche Eltern in der Schweiz befürchten, dass ihre Kinder nun in diesem Schuljahr noch stärker benachteiligt sein werden als sonst. Denn die Zeit, als die Kinder zuhause lernen mussten, war schwierig, insbesondere, wenn zwei Teenager auf demselben Computer arbeiten mussten und auf den Drucker der Nachbarn angewiesen waren. Eine Mutter gestand: 

„Es ist überaus schwierig und ein Rie-senstress, wenn man selber die Grundkenntnisse nicht erwerben konnte und die Technologien nicht beherrscht.“

Eine Mutter

In gewissen Schulen gab man den Kindern einen Fragebogen mit, um zu verstehen, wie diese Unterrichtszeit zuhause erlebt wurde. Ein Vater, der selber nicht zuhause aufwachsen konnte, machte sich Sorgen und sagte uns: „Wird die Schule verstehen können, was wir wirklich erleben? Ist das nicht eine neue Einmischung in die Familie, eine zusätzliche Kontrolle, die sich gegen uns richten wird?“ 

Was kennen wir von der Lebenswirklichkeit, die zahlreiche Familien verschweigen müssen, um zu versuchen, wie alle andern dazustehen? 

Wie Roland, der in einen Skianzug schlüpft, den eine Freundin der Familie gebracht hat, und sich nun stolz an seine Mutter wendet:

„Siehst du, jetzt müssen wir nicht mehr sagen, ich sei krank, wenn es einen Schneetag gibt in der Schule!“

Roland

Wir danken für Ihre Spende