Wie der Leiter Romain Sanna die Strassenbibliothek sieht.

Ich bin im Juni 2020 auf die Bewegung ATD Vierte Welt gestossen, als ich nach einem internationalen humanitären Einsatz Ausschau hielt. An der Seite des Genfer Teams gesellte ich mich zu den Leitenden einer Strassenbibliothek im Quartier Châtelaine.

Mehr noch als in einer üblichen Bibliothek kommen in diesem wohlwollenden, offenen Raum für Kultur und soziale Interaktion Menschen jeden Alters mit vielfältigen und manchmal schwierigen Lebensläufen zusammen. Diese Erfahrung erinnert einen daran, dass Armut und soziale Ausgrenzung real erlebt werden, gleich nebenan. 

Die Strassenbibliothek gab Gelegenheit zum Handeln, ohne zu warten und ohne Umschweife. So wie es alle Mitglieder der Bewegung ATD Vierte Welt zu tun suchen, galt es, zu den Menschen hinzugehen. 

Die Einladung zum Lesen und Werken auf vielfältige Art ist sicher ein erster Schritt hin zur Begegnung und zum Aufbau vertrauensvoller Beziehungen zu den Kindern und ihren Familien. Zu einer der ersten Überraschungen gehörte das Vertrauen, das die Eltern den Leitenden, ihren Aktivitäten und Zusammenkünften entgegenbringen. Es zeugt vom geduldigen Aufbau dieser Arbeit und von seiner Akzeptanz in den Familien und im Quartier, dank aller, die am guten Gelingen der Strassenbibliothek mitgewirkt haben, und es bis heute tun. 

Im Laufe dieses regelmässigen wöchentlichen Einsatzes konnte sich ein echter und tiefer Austausch entwickeln. Spiele, Lesezeiten, manuelle, erholsame und künstlerische Tätigkeiten oder ein Austausch über starke und sensible Seiten des Lebens, das alles trug zu dieser schönen und lehrreichen Erfahrung bei, auf den andern zuzugehen und einen Raum des freien und wohlwollenden Ausdrucks anzubieten, ohne zu richten. 

Diese vier Monate mit den Kindern und ihren Familien und mit den Mitgliedern von ATD Vierte Welt Genf waren eine persönliche Bereicherung und eine Gelegenheit, zu den einfachen Dingen des Lebens zurückzukehren: zum Lesen und Zeichnen, Diskutieren und Zuhören, zu gegenseitigem Verständnis und gegenseitiger Wertschätzung. 

Romain Sanna

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