Coronazeit: Zusammenrücken : Distanz halten und einander doch nahe bleiben

Ja, in diesen Wochen sind viele Menschen ein Stück weit zusammengerückt, und viele sind nach-denklich geworden. Was für ein Paradox: 2 Meter Abstand halten – und sich doch näherkommen! Die hier erzählten Gesten geben nur einen kleinen Einblick.

Eine junge Frau fährt am Abend mit dem Fahrrad durch das Quartier der Strassenbibliothek. Sie will schauen, wie es den Kindern geht, jetzt, wo dort neun Coronakranke vielen Menschen echt Angst einflössen. Ein Mann hält den Kontakt zu obdachlosen Menschen, die im Stadtpark misstrauisch beobachtet werden. „Wird der Blick auf die anderen jetzt wirklich menschlicher oder wird ein Teil noch mehr verurteilt?“

Zwei Grosseltern telefonieren regelmässig mit einer betagten Frau, die im Altersheim sehr einsam ist. Eine Frau tut dasselbe mit ihrer Freundin, die ihre fremdplatzierten Kinder nicht mehr sehen kann. Sie weiss, dass diese Trennung jetzt nicht nur in eine grosse Traurigkeit, sondern auch zu schlimmen De-pressionen führen kann.

Eine andere Frau in der Innerschweiz, deren Computer ausge-stiegen ist, schreibt Briefe an viele Freunde und Bekannte, um sie zu ermutigen. „Gerade bin ich beim 83. Brief angelangt!»

Und von ihrem alten Haus aus, wo sie seit langem Familien mit wenig Geld eine günstige Wohnung vermietet, organisiert eine pensionierte Kindergärtnerin ein Telefonnetz, um besonders gefährdeten Menschen in der Stadt nahe zu bleiben.

Auch Branka Goldstein von der IG Sozialhilfe in Zürich, in Rente, bleibt den Menschen nahe, die jetzt mehr als verängstigt sind, so einer Person, die im teuren Tankstellen-Shop einkaufen muss, und der das Geld ausgeht. „ Und woher jetzt das zusätzliche Geld für die Desinfektionsmittel und die Schutzmasken nehmen? » Branka hilft auch einem Mann, der im Spital abgewiesen wurde und sich alleine nie getraut hätte, für seine Gesundheit weiterzukämpfen.

Noldi Christen

Sicher haben auch Sie solche Gesten des Zusammenrückens gesehen! Schreiben Sie uns doch bitte darüber für die Corona-Chronik.